Der Jagsthof 1966 - 2017
  • 1966 Jagsthof als Aussiedlerhof gebaut von Rudolf und Johanna Häring, als Milchkuhbetrieb mit 17 Kühen; Kälbern und Jungvieh

  • 1976 Die Milchviehhaltung wird aufgegeben. Ein Stall für 20 000 Masthähnchen wird gebaut. Im Viehstall werden nach Umbau Bullen gemästet.

  • 1987 Martin Häring übernimmt nach Abschluß seines Landwirtschaftsstudiums an der FH Nürtingen den Hof von seinen Eltern, zunächst pachtweise. Aus vielerlei Gründen (siehe unten) Umstellung auf ökologische Landwirtschaft und Beitritt zum Bioland-Verband.

  • Nach Aufgabe der konventionellen Hähnchenmast wird der Hähnchenstall zunächst für Shii-Take-Pilzzucht genutzt und teilweise als Lager vermietet. Die Mastbullen werden durch Mutterkühe ersetzt, die eine eingestreute Liegefläche bekommen und von Frühjahr bis Herbst mit ihren Kälbern auf die Weide dürfen.
    Der Ackerbau wird ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel nach Bioland-Richtlinien betrieben.

  • 1990 Sohn Jan geboren

  • 1992 Beginn der Legehennenhaltung mit vorerst 300 Tieren

  • 1994 Der großen Nachfrage nach Bio-Eiern entsprechend halbjährliche Verdopplung des Bestandes. Pilze müssen weichen. Hühner dürfen raus auf die Wiese.

  • 1995 Martina Mast verlässt ihren sicheren Schreibtischjob bei Bioland und steigt mit in den landwirtschaftlichen Betrieb ein, Tochter Sophie geboren

  • 1997 Tochter Lisa geboren.

  • 2001 Die Hühner bekommen einen großzügigen überdachten Auslauf mit Grasdach. Das Gebäude und die angrenzenden Wiesen bieten jetzt reichlich Platz für zweimal 3.000 Hühner in zwei getrennten Ställen. Die Mutterkühe werden verkauft.

  • 2006 Eier-Kooperation mit Familie Gutheiß

  • 2011 Hühnermobil für 225 Hühner angeschafft. Mitgliedschaft im BioFair-Verein.

  • 2012 Zweinutzungshühnerprojekt im Hühnermobil
  • 2017 Weiteres Hühnermobil angeschafft
    Warum der Jagsthof zum Bioland-Hof wurde.

    An der FH Nürtingen bekam Martin Häring erste Einblicke in die ökologische Landwirtschaft. Nach einem Praktikum auf einem Bioland-Hof war für ihn die Entscheidung gefallen: entweder Bio-Bauer zu werden oder gar kein Bauer.

    Und wenn der elterliche Betrieb übernommen wird, wird er auf ökologische Landwirtschaft umgestellt.

    Denn eine kritische Betrachtung der konventionellen Wirtschaftsweise auf dem elterlichen Hof erbrachte folgendes:
    Intensive Hähnchenmast: sehr viele Tiere auf engem Raum, kein Tageslicht, kein Auslauf hoher Energiebedarf, schlechte Arbeitsbedingungen, industrielles Fertigfutter - zum Teil aus der 3. Welt importiert (Soja aus Brasilien) mit den bekannten verheerenden Folgen für die dortigen Kleinbauern.

    Bullenmast: mit Vollspaltenboden d.h. die Tiere liegen auf Beton, kein Auslauf, wenig Platz, Futter enthält ebenfalls Sojaschrot

    Ackerbau: sehr hoher Silomaisanteil (als Futter für die Mastbullen), deshalb Bodenverdichtung, hoher Herbizideinsatz

    Bilanz: der Hof war konventionell gut geführt und ökonomisch erfolgreich, aber verbesserungswürdig in Punkto artgerechte Tierhaltung und Auswirkungen auf Menschen in der 3. Welt und die Umwelt.

    Um den Anspruch zu erfüllen, möglichst umwelt-, tier-, menschengerecht zu wirtschaften und weiterhin von dem Hof leben zu können, schien der Bio-Anbau die einzige Chance zu sein. Einen für die ökologische Landwirtschaft so ungeeignet scheinenden Betrieb umzustellen, das wurde so zum Thema für die anstehende Diplomarbeit und der Betrieb von vorne bis hinten durchgerechnet.

    Das Ergebnis sah auf dem Papier ganz gut aus. Die zunächst skeptischen Eltern ließen sich überzeugen, dem Sohn eine Chance zu geben, und damit konnte man loslegen….