Jagsthof, 28.2.2012
Bioland oder Billig-Bio? (2012)
Jabsthof Bio

Sehr verehrte Eierkundschaft,

sicher haben Sie sich schon mal gefragt, weshalb Bio-Eier in manchen Supermärkten und Discountern billiger sind als die Bioland-Eier vom Jagsthof. Traurig, aber wahr: Bio und Bio sind halt längst nicht mehr das Gleiche. Dazu einige Hintergrundinformationen. Denn der Qualitätsabstand zwischen Bioland und Billig-Bio lässt sich am Beispiel Eier sehr gut aufzeigen.

Woher kommen die Billig-Bio-Eier?

Es handelt sich oft um Firmen, die in großem Stil konventionell Hühner in Käfig- oder Bodenhaltung halten und nun nebenher auch Bio-Hühner. Solche Teilbetriebsumstellungen sind nach EU-Recht erlaubt. Auch manche deutsche Bio-Verbände genehmigen das. Der eine Bio-Stall kann also durchaus neben 20 Großkäfigställen stehen. Zunehmend sind in den letzten Jahren auch Agrarkonzerne, die hunderttausende oder gar Millionen von Hühnern halten, ins Biogeschäft eingestiegen.
Diese Unternehmen liegen zum Teil in Ost- und Norddeutschland, zum Teil in den Niederlanden, Frankreich, Tschechien und Italien. Ganz aktuell werden in Ostdeutschland wieder im großen Stil etliche Bio-Ställe mit 30 000 Hühnern gebaut oder umgerüstet. Meistens laufen die so produzierten Eier durch die gleiche riesige Packstelle wie die konventionellen Eier.
Die daraus resultierende Gefahr der "Verwechslung" ist offensichtlich. Entsprechend niedrig ist die Glaubwürdigkeit beim Kunden.
Beispiel: Die Deutsche Frühstücksei GmbH, größter konventioneller Hühnerhalter in Deutschland, rühmt sich inzwischen, auch größter Bioeier-Anbieter zu sein.
Bioland-Eier kommen dagegen von bäuerlichen Familienbetrieben. Für uns Bioland-Bäuerinnen und -Bauern ist es nicht vorstellbar, einen Teil der Felder oder Ställe konventionell zu bewirtschaften.

Wie werden diese Eier so billig gemacht?

Bis zu 30 000 Hühner in einem Stallkomplex mit durchgehender Entmistung, Fütterung und Nestbändern zu halten hat enorme finanzielle Vorteile gegenüber den maximal 3000Hühner in einem Stall und maximal 2 getrennte Ställe a 3 000 Hühner in einem Gebäude bei Bioland. Bioland gestattet größere Einheiten ausdrücklich nicht, weil es große hygienische Nachteile hat. Ein Weidewechsel ist kaum möglich, Krankheiten wie Verwurmung breiten sich leichter aus, langfristig ist Medikamenteneinsatz vorprogrammiert. Die überstrapazierten stallnahen Flächen werden völlig überdüngt; Nitrat und Phosphat gelangen ins Grundwasser.
Kostenvorteil Gebäude: mindestens 0,3 -0,5 Cent pro Ei.

Wir betreiben dagegen ein aufwendiges Weidewechselsystem mit periodischem Umbruch und Futtergetreideanbau. Umweltbelastungen werden minimiert und die Tiere ohne Medikamente gesund erhalten. Wir haben es bei einem landesweiten Seminar auf dem Jagsthof zum Thema Hühnergesundheit von Bioland-Kollegen und –Beratern bestätigt bekommen: Beste Beurteilungen von Federkleid und Gesundheit für die Jagsthof-Hühner. Der Bioland-Beratungsrundbrief empfiehlt unser Hühner-Weidesystem als vorbildlich.

Erfahrungsgemäß werden in solchen Großbetrieben oft die Schnäbel der Hühner gekürzt, um Federpicken vorzubeugen oder zu bekämpfen. Oft macht es gleich der Aufzüchter prophylaktisch. Da Hühner nur mit dem Schnabel tasten und greifen können, ist der Eingriff von der Behinderung her in etwa mit einer Daumenamputation vergleichbar.

Wenn ein konventioneller Hühnerhalter groß ins Biohühnergeschäft einsteigt, ist da erstmal null Erfahrung und wenig Wissen um die speziellen Anforderungen der Bio-Hühnerhaltung. Auch am Betreuungspersonal wird natürlich gespart und der Chef hat sowieso wichtigeres zu tun als selbst im Stall zu stehen. Als Folge haben die Hennen nach einem halben oder dreiviertel Jahr oft nicht mehr viele Federn.
Arbeitsaufwand bei uns: ca. 3000h für 6000 Hühner (Chefsache), also 2,9 Cent pro Ei bei 15 € / Arbeitsstunde.
Im Großbetrieb mit 30 000 Hühnern (laut Quelle Ingensand, Bioland-Beratung 32 000 € Lohnkosten, also 0,4 Cent pro Ei.
Kostenvorteil Arbeit: 2,5 Cent pro Ei.

Am Futter als bedeutendstem Kostenfaktor wird nicht nur durch Mengendegression gespart. Es werden nicht sichere, sondern billige Komponenten gekauft; und diese von zweifelhaften Herstellern bezogen. Die lange Reihe von Biofutterskandalen (Nitrofen, Dioxin, Biobetrug in Italien) betraf durchweg solche Akteure auf der Suche nach dem billigsten Futter. In den Niederlanden ist zeitweise konventionelles Soja zugelassen, in Skandinavien Fischmehl, in Großbritannien künstliche Aminosäuren. Bioland-Hühner bekommen dagegen zu mindestens 50% Futter vom eigenen Hof; der Rest kommt von anderen Bioland-Höfen oder von Bioland-zugelassenen und –kontrollierten Bio-Futtermühlen.
Kostenvorteil Futter: ???, grob geschätzt 2 – 2,5 Cent/Ei

Sie sehen also: Um Bio billig zu machen, wird gespart auf Kosten der Tiere, der Umwelt und der Produktqualität. Wir als bäuerlicher Familienbetrieb haben dagegen den Anspruch möglichst umwelt- und tiergerecht möglichst hohe Qualität für Sie zu erzeugen.
Wir können nicht billig, wir können nur gut.

Viele Grüße vom Jagsthof Martin Häring und Martina Mast


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